Elfenbeinturmdenken
erzeugt:2017-05-13
letzte Änderung:2017-08-26

Die Metapher des elfenbeinernen Turms beschreibt ein Denken, welches um seiner selbst willen betrieben wird, und das losgelöst vom Bezug auf andere Problematiken oder gar der realen Welt; ein Denken, welchem etwa eine Entfremdung des Denkens von den eigenen Lebensgrundlagen Vorschub leistet, und das ein zentrales Merkmal tierrechtlerischer Ideologien ist.

Als Beispiel eines solchen Denkens soll die Abschaffung biologischer Geschlechter zur Beseitigung des Sexismus vorgeschlagen werden: Da Geschlechter die faktische Grundlage für die Bevorzugung eines Geschlechts über ein anderes darstellt, würde deren Abschaffung definitiv das Ende dieser Art von Diskriminierung bedeuten. Man könnte jetzt also Betrachtung über eine im biologischen Sinn geschlechterlose Gesellschaft anstellen, diese mit unserer aktuellen vergleichen, und mit diesen Betrachtungen die Notwendigkeit der bewussten Abschaffung sehr gut argumentieren, inklusive Gegenargumenten, und vielleicht wäre die Diskussion an sich auch für andere Bereiche nicht uninteressant, nur … ist sie eben letzten Endes müßig, weil eine Abschaffung der biologischen Geschlechter bei der Menschheit praktisch nicht zu machen und damit alles hinfällig ist, das aus dieser Forderung ableitet.

Genauso verhält es sich mit dem Tierrechtsgedanken, und auch wenn der Tierrechtsdiskurs wichtige Fragen aufwirft, sind stehen deren Grundgedanken zur realen Welt in Widerspruch. So wäre etwa Regans Ethik inhärenter Werte nur bei einer de facto Abschaffung der der Nahrungskette möglich, während sich aus Singers Präferenzutilitarismus nicht eine Verallgemeinerung der menschlichen Ethik, sondern eine Abschaffung dieser ergibt, wenn es nicht überhaupt am sinnvollsten wäre, alles Leben auf der Erde zu vernichten, denn nur eine tote Welt ist auch zuverlässig leidfrei.

„Gedanken aus dem Elfenbeinturm“, die die praktischen Gegebenheiten und Notwendigkeiten unserer Welt nicht berücksichtigen, arten also in der Regel ins Absurde aus, mit allen Konsequenzen, die das hat.