Der unbeachtete Sandler
erzeugt:2016-11-08
letzte Änderung:2016-11-08

Es ist Samstag am Vormittag. Ich marschiere nach einer durchgemachten Nacht heimwärts, und beschließe, eine längere Strecke zu Fuß zu gehen. Mein Weg führt mich über den Stephansplatz, und auf dem Weg dorthin komme ich bei einem Sandler vorbei, einem Obdachlosen also, der da auf einem Bankel schlaft. Wien ist eine reiche Stadt, eine der reichsten auf der ganzen Welt, und mitten im Zentrum dieser Stadt, die mehr Geld hat als so mancher ganze Staat, da liegt ein Sandler, und hat nicht einmal eine Wohnung.

Ich gehe ein paar hundert Meter weiter, und am Stephansplatz, da stehen sie dann: Die Veggerln. Haben einen Informationsstand aufgebaut, und irgendeiner dieser Rotzbuben bellt irgendwas von wegen Tieren und meinem Ledermantel in meine Richtung. Ich drehe mich um: „Heat′s es Trotteln, då, a påar hundert Meter von då, då liegt a Sandler, a Mensch, und es scheißt′s eich å weg′n de Viecha!?“, brülle ich in ihre Richtung. Mit betont gleichgültiger Geste stehen sie da, und ignorieren mich. An diesem Tag habe ich angefangen, sie zu verabscheuen.

(eingesandt von: Zacharias)